HG/M99 – Offener Brief: Für eine Ende der Bedrohung – Rückkehr zum Dialog

Sehr geehrter Herr Frederick Hellmann,

mit Erstaunen mussten wir, das Bündnis Zwangsräumung verhindern, erfahren, dass Sie oder vielmehr ihr Anwalt Herr Wollmann, die Verhandlungen mit Hans-Georg Lindenau, dem Inhaber des „M99 – Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“ am 03.03.2016 für beendet erklärt haben.

Herr Wollmann begründete dies mit ominösen Andeutungen einer Bedrohungslage in der sie sich befänden. Herr Frederick Hellmann, wir müssen hier ganz klar feststellen, dass sie es sind, der Hans-Georg Lindenau bedroht, und zwar sowohl in seiner beruflichen wie privaten Existenz!

Hans-Georg Lindenau hat seit über dreißig Jahren den „M99 – Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“ aufgebaut und es in einzigartiger Weise geschafft sich, trotz seiner schweren Behinderung, die ihn an den Rollstuhl fesselt, ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Einen adäquaten Laden bei der jetzigen Situation auf dem Berliner Immobilienmarkt zu finden ist schier unmöglich. Dies bestätigte auch die Behindertenbeauftragte des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg Frau Ehrlichmann, die bei der Verhandlung am 03.03. anwesend war.

Dass sie das Lebenswerk von Hans-Georg Lindenau jetzt zerstören wollen, übersteigt unsere Vorstellungskraft. Gerne gehen wir von der Annahme aus, dass sie durch ihren übereifrigen Anwalt Herrn Wollmann nur schlecht beraten sind. Sie haben selbst mehrere Läden und haben deren Umsatz in der TextilWirtschaft 38 vom 22.09.2011 „grob mit 80 bis 90 Mill. Euro“ angegeben. Da dürfte wohl ein erklecklicher Gewinn übrig bleiben, und es ist offensichtlich, dass sie nicht darauf angewiesen sind diesen durch die Zwangsräumung eines Rollstuhlfahrers noch zu steigern.

Wie ihnen sicher bekannt ist, ist der „M99 – Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“ weit über Berlin hinaus bekannt, und das nicht nur in der sogenannten „linken Szene“. Hans-Georg Lindenau erfährt enormen Zuspruch und überwältigende Unterstützung in seinem Kiez. So haben innerhalb kürzester Zeit bereits 99 Läden der Nachbarschaft schriftlich ihre Solidarität mit dem „M99 – Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“ erklärt.

Wir werden ihnen diese Unterstützer_innenliste, 99 für M99, anlässlich einer Kundgebung auf dem Georg-Grosz-Platz, am Donnerstag, den 14.04.2016 um 17.30 Uhr persönlich in ihrem Laden Hellmann Mens Wear am Kurfürstendamm 53, 10707 Berlin übergeben. Wir sind guten Mutes den stotternden Motor des Dialogs damit wieder in Gang zu bringen.

Mit freundlichen Grüßen
Bündnis Zwangsräumung verhindern

Verdrängt in Berlin: Folge 17 – Im Namen des Volkes

vorlage17-gross-768x543

Eigentlich fing der zweite Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Wedding für die WG ganz gut an. Der Richter stellte fest, dass die Mietminderung wegen der maroden Fenster in Ordnung war. Auch gegen die Anpassung der Betriebskostenvorauszahlungen nach unten hatte er nichts einzuwenden. Selbst als er der absurden Auffassung der Vermieterin zustimmte, dass es sich bei der WG nicht um eine WG handelt, war noch alles im grünen Bereich. Denn der angemeldete Austausch von Mieter*innen ohne Zustimmung der Hauseigentümer oder der Verwaltung ist kein Kündigungsgrund. Dennoch ist die WG jetzt also offiziell eine Nicht-WG.

Die Probleme begannen jedoch bei der rechtlichen Betrachtung des Wasserschadens. Diesen Schaden hielt der Richter leider für nicht ausreichend bewiesen. Die Flecken an der Wand, welche die Vermieterin nach eigenen Angaben übermalern ließ, hätten auch ohne den beschriebenen Wasserschaden zustande kommen können. Leider konnte der Wasserschaden selbst nicht als Zeuge vor Gericht erscheinen, denn er ist ja inzwischen übermalert. Dennoch hätte es noch einige Beweise für den Schaden gegeben. Der Richter wollte sie jedoch aufgrund prozessualer Winkelzüge nicht mehr zur Kenntnis nehmen. So hatte der Anwalt der Nicht-WG ihn vorher schriftlich um eine Einschätzung gebeten, ob die vorgebrachten Beweise ausreichen. Trotz dieser Bitte und obwohl er zu solchen richterlichen Hinweisen verpflichtet ist, hat der Richter geschwiegen, um beim Prozess zu behaupten, die Beweise würden nicht ausreichen.

Dementsprechend wurde die Nicht-WG am 18.03. „im Namen des Volkes“ zur Räumung ihrer Wohnung zum 30.6.2016 verurteilt. Doch der Kampf ist noch nicht vorbei. Der neue Mieter kann noch Widerspruch gegen das Urteil einlegen und den anderen steht noch die Berufung offen.

Die Folgen der zweiten Staffel: Folge 10, Folge 11, Folge 12, Folge 13, Folge 14, Folge 15, , Folge 16

Die Folgen der ersten Staffel: Folge 1, Folge 2, Folge 3 und 4, Folge 5, Folge 6, Folge 7, Folge 8, Folge 9.

Resisting Evictions Across Europe

Gemeinsam mit der European Action Coalition for the Right to Housing and the City haben wir eine Broschüre erarbeitet, die einen Überblick über Widerstand und Mobilisierungen gegen Zwangsräumungen und deren Ursachen in verschiedenen europäischen Ländern geben soll.

Resisting Evictions Across Europe thumb

Die Broschüre kann hier heruntergeladen werden. Sie wird in der kommenden Zeit gedruckt und in verschiedene Sprachen übersetzt. Eine deutsche Fassung ist derzeit nicht geplant. Wer aber gedruckte englische Ausgaben bekommen möchte, kann sich auf unserer Emailadresse melden: zwangsraeumungverhindern[ät]riseup.net

Die European Action Coalition for the Right to Housing and the City ist ein Zusammenschluss verschiedener Gruppen und Initiativen aus dem Bereich Stadt und Wohnen, der sich seit 2013 im Aufbau befindet. Als Bündnis Zwangsräumung Verhindern sind wir Teil dieses Zusammenschlusses. Ziel der Coalition ist es, einen transnationalen Ausdruck stadtpolitischer Kämpfe zu finden, gemeinsam Aktionen zu organisieren und auf einer horizontalen Ebene Austausch und Vernetzung voranzutreiben. Mehr Informationen: http://housingnotprofit.org/en

Verdrängt in Berlin: Folge 16 – Absurde Vorwürfe

Vorlage14_klein

Weiterlesen

Verdrängt in Berlin – Folge 15: Gemeinsam zum Gericht

Vorlage14_klein

Weiterlesen

Cafe gegen Zwangsräumung // So., 27.3. // 15 Uhr // Kotti

kotti_cgzr

Neuer Ort, neue Zeit.

Am Sonntag ist wieder Cafe gegen Zwangsräumung! Das selbst­or­ga­ni­sier­te Café findet ab 27.3. jeden letzten Sonntag im Monat um 15 Uhr in der Protesthütte (Gecekondu) am Kotti statt. Das Gecekondu ist Ecke Skalitzer und Admiralstrasse.

Hier kann man an­de­re von Zwangs­räu­mung be­trof­fe­ne Leute bei Kaf­fee und Ku­chen ken­nen­ler­nen, sich ge­mein­sam über Er­fah­run­gen aus­tau­schen und auch Leute fin­den, die sich ge­mein­sam, selbst­or­ga­ni­siert gegen ihre Zwangs­räu­mung weh­ren wol­len. Kommt vorbei!

Berlichingen 12 entert Podium und übergibt Brief: Wohnraum für alle, wir lassen uns nicht spalten!

Überraschungauftritt der Berlichingen 12 und Bündnis Zwangsräumung Verhindern. Am Mittwochnachmittag vergangener Woche nahm sich Frank, ein Bewohner des räumungsbedrohten Gästehauses Moabit in der Berlichingenstr. 12 (Info unten*) unterstützt von Aktiven des Bündnis Zwangsräumung Verhindern das Podium einer Veranstaltung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Ziel der Aktion war es, einen Brief der Bewohner und unterstützender Gruppen an die Berliner Politprominenz vorzutragen und zu übergeben.

B12_pari

Weiterlesen

Foto-Ausstellung „Ob Nuriye, ob Kalle – wir bleiben alle!“

Foto-Ausstellung „Ob Nuriye, ob Kalle – wir bleiben alle!“ vom Umbruch Bildarchiv

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Adalbertstraße 95A
10999 Berlin-Kreuzberg

Ausstellungseröffnung: 10. März 2016, 18:00 Uhr im Glasturm des Treppenhauses.
Veranstaltungsbeginn: 10. März 2016, 19:00 Uhr in der Historischen Druckerei im Hochparterre mit Info-Veranstaltung zum aktuellen Verdrängungsprozess
Laufzeit: 11. März bis 12. Juni 2016

ausstellung_fhxb

Weiterlesen

HG/M99 – Runder Tisch gescheitert!

Tag X Mobilisierung jetzt wird’s ernst!

Gestern, am 3.3.2016, sind die Verhandlungen zwischen HG und dem Hauseigentümer Hellmann gescheitert. Mit einer Zwangsräumung ist nun kurzfristig zu rechnen, es könnte auch sein, dass der Rechtsweg nicht eingehalten wird und keine Ankündigung erfolgt. Jetzt sind Spontanität und Kreativität gefragt!

Weiterlesen

Aktivist*innen besuchen Hausverwaltung wegen der Berlichingenstr. 12…

…und lösen damit einen Polizeigroßeinsatz aus. Am Dienstag, dem 1. März, vormittag besuchten ein Dutzend Aktivist*innen zwischen 25 und 85 Jahren die Hausverwaltung Berolina Grundbesitz GmbH in der Kantstraße. Die Berolina will 33 wohnungslose Mieter des „Gästehaus Moabit“ in der Berlichingenstr. 12 rauswerfen. Sie will dort Geflüchtete unterbringen, weil damit mehr Profit gemacht werden kann.

besuch_foto1

Weiterlesen