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Was Mieterinnen und Mieter mit der Liebig 34 zu tun haben

Am Freitag, den 9. Oktober, um 7 Uhr soll das Hausprojekt Liebig 34 zwangsgeräumt werden. Nach 30 Jahren sollen 40 Menschen auf die Straße geschmissen werden. Aber was haben die Berliner Mieter*innen damit zu tun?

Ganz schön viel, denn in Berlin fliegen jedes Jahr 5.000 Mieter*innen aus ihren Wohnungen. Unzählige werden durch Mieterhöhungen oder Eigenbedarf verdrängt. Im Kapitalismus sind Wohnungen eben nicht dafür da, dass wir alle ein gutes Zuhause haben, sondern für den Profit der Wenigen.

Zu den wenigen Profiteuren gehört der Eigentümer der Liebig 34, der Immobilienspekulant Padovicz. Padovicz wurden öffentliche Wohnungen zu Spottpreisen zugeschustert. Für die Sanierung bekam er dann auch noch Staatsknete. Allein in Friedrichshain die Hälfte aller Subventionen für die Altbau-Sanierung.

Aber es geht nicht um einen Spekulanten oder ein Haus. Egal ob Wohnungen, Arbeit, Gesundheit, Bildung, Kultur. Im Kapitalismus muss aus allem immer mehr Geld raus gepresst werden. Wenn damit kein Profit gemacht werden kann, dann wird’s nicht gemacht. Die Regierung sorgt dafür, dass das so bleibt. Wenn das mal nicht reibungslos läuft, schicken sie die Polizei. So wie am Freitag. Das ist auch bei rot-rot-grün so. Denn auch die sind nicht unsere Regierung und Berlin ist nicht unsere Stadt. Die wird es erst sein wenn die Häuser uns allen gehören.

Und weil die Liebig dafür kämpft, kämpfen wir mit ihnen. Schon morgen kann es dich erwischen. Deshalb wäre es schlau von dir, wenn auch du schon am Freitag mit uns kämpfst.

Das haben die Mieterinnen und Mieter mit der Liebig 34 zu tun! Und deswegen alle auf die Straße am Freitag, 9. Oktober, 7 Uhr. Gegen die Stadt der Reichen! Für eine solidarische Stadt! Für eine solidarische Gesellschaft!

Wir geben nicht auf, Padovicz mitzuteilen, das er aufgeben soll

Videokundgebung
vor dem Firmensitz von Padovicz
Donnerstag, 1. 10.2020, 18.30 Uhr
Kurfürstendamm 178/179, 10707 Berlin

Die Liebigstraße 34 soll am Freitag, den 9. Oktober um 7.00 Uhr in der Frühe von der Gerichtsvollzieherin im Auftrag des Eigentümers Padovicz durch ein Bullenaufgebot gestürmt und zwangsgeräumt werden.

Eine 30jährige Geschichte soll damit beendet werden. Das Haus wird für eine profitable Verwertung geschliffen. Dafür geopfert wird die Liebig34, das Anarcha-Queer-Feministische Kollektiv. Das werden wir nicht hinnehmen. Wir beginnen am 1. Oktober mit einer bildungspolitischen Veranstaltung vor dem Firmensitz von Padovicz am Kurfürstendamm.

Das Bündnis Zwangsräumung verhindern zeigt kurze Videos von den Kämpfen gegen Zwangsräumungen in den letzten 10 Jahren. Einige Zwangsräumungen konnten verhindert werden, aber nicht jeder Kampf war erfolgreich. Aber in jedem Kampf wächst die Solidarität für eine gemeinsame Stadt. Man kann uns die Orte nehmen, aber nicht die Ideen.

Bis dahin geben wir nicht auf, Padovicz zu sagen, das er aufgeben soll.

Demonstration Liebig34 verteidigen! Sa. 29.09. | 18:00 | Wismarplatz

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Demonstration Liebig34 verteidigen!
Samstag 29.09., 18:00 Uhr
Wismarplatz, Berlin-Friedrichshain
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Ein Stachel im Fleisch des Kapitals

Das Hausprojekt Liebig34 ist mit anderen Häusern und Initiativen im Friedrichshainer Nordkiez Teil des Widerstandes gegen Aufwertung und Verdrängung. Immer wieder lodern dort Kämpfe gegen die kapitalistische Stadt und deren Vertreter*innen von Eigentum, Politik und Polizei auf. Der Widerschein der Kämpfe ist in der ganzen Stadt gern gesehen und die Freude bei unzähligen Mieter*innen über den widerspenstigen Nordkiez ist groß. Die Liebig34 ist Teil dieses antikapitalistischen Widerstandes aber auch noch etwas eigenes. Etwas eigenes als anarcha-queeres Hausprojekt in feministischer Selbstverwaltung. Aber eben nicht zurückgezogen als bloß antipatriarchales Projekt sondern eingebettet in die Kämpfe gegen Gentrifizierung, Staat und Kapitalismus!

Gegen die Stadt der Reichen und ihre Unterstützer*innen in der Politik

Wie viele andere Hausprojekte in Friedrichshain ist die Liebig34 ein Überbleibsel der Häuserkämpfe der 1990er Jahre. Damals wurde das Haus mit einem Pachtvertrag legalisiert. Dieser läuft im Dezember 2018 aus und der Eigentümer Padovicz will ihn nicht verlängern. Padovicz ist ein Paradebeispiel für den Ausverkauf der Stadt an wenige Reiche. Und er ist ein Paradebeispiel dafür wer die Bedingungen dafür schafft – die Politik. Kommunale Wohnungsbaugesellschaften warfen Padovicz ganze Wohnblöcke zu Spottpreisen hinterher und der Berliner Senat überschüttete ihn jahrelang mit Sanierungsförderungen. Die Politik wollte eine Stadt mit schön sanierten Häusern mit schönen, reichen Menschen drin und nicht mit armen Schluckern. So wie heute auch, nur, dass die Politik heute Krokodilstränen über die hohen Mieten vergiesst und uns mit Beruhigungspillen wie der „Mietpreisbremse“ ruhigstellen will.

Wir sind nicht blöd – wir sind solidarisch!

Aber wir wissen wer die Stadt aufkauft und damit Profit macht und wir wissen auch wer die Vorraussetzungen dafür schafft. Und das wissen auch die meisten Mieter*innen. Zumindest wissen sie mit wem sie solidarisch sind. Das merken wir bei jeder Blockade einer Zwangsräumung. Die Nachbar*innen sind solidarisch mit den Zwangsgeräumten, nicht mit den Eigentümern, Gerichtsvollziehern, Politik oder der Polizei. Mieter*innen sind solidarisch und vernetzten sich. Sei es in Häusern, in Nachbarschaften oder bei gleichen Eigentümern wie Akelius, Deutsche Wohnen und eben auch Padovicz. Hohe Mieten und Verdrängung haben eben auch ihr Gutes. Denn an der Mietenfrage offenbart sich die ganze Barbarei des Kapitalismus: ein existenzielles Bedürfnis wie das nach einer Wohnung wird von Eigentum und Profitmacherei einfach plattgewalzt. Aber aus dieser Zumutung erwachsen eben auch Widerstand, Solidarität und direkte Aktionen. Und die Leidenschaft, die herrschenden Verhältnisse komplett umzuwerfen!

Alle auf die Straße am 29.9. – Liebig34 verteidigen!

Mehr Infos: liebig34.blogsport.de und padowatch.noblogs.org